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Motzel, Dr. jur. utr. Volpert
Geschrieben von: Motzel, E.   

Autor: Dr. Erhard Motzel, Isselstr. 43, D-64297 Darmstadt - www.motzel-online.de

Dr. jur. utr. Volpert Motzel

GEBURTS-/TAUFDDATUM/-ORT: 12.12.1604 in Arberg (Quelle: Taufmatrikel Pfarrei Arberg)

STERBEDATUM/-ORT: 27.1.1662 in Salzburg (Quelle: Sterbebuch Dompfarre Salzburg), begraben in Salzburg St. Peter (Quelle: Epitaph in St. Peter)

FUNKTIONEN: Professor an der Universität in Dillingen, Regimentsrat und Kammerprokurator in Innsbruck, fürstbischöflicher Rat und Kanzler zu Eichstätt, Hofrat, Vizekanzler, Hofkanzler zu Salzburg, salzburgischer Geheimer Rat, Lehensprobst, Landmann, salzburgischer Gesandter auf dem Friedenskongress in Münster und Osnabrück (gleichzeitig auch Vertreter Freisings) sowie auf dem Reichstag zu Regensburg.

HERKUNFT: Sohn des fürstbischöflichen Kastners Georg Motzel (1560-1619) in Arberg, insgesamt 8 Geschwister, darunter Georg Motzel und Johann Caspar Motzel (Quelle: Taufmatrikel Pfarrei Arberg)

AUSBILDUNG: 1612 an der Universität Dillingen eingeschrieben, 12.3.1619 an der Universität in Ingolstadt immatrikuliert, Studium der Mathematik und Physik mit der abschließenden mathematischen Abhandlung über Standort, Laufbahn, Größe und Hintergründe des Kometen, der gegen Ende des Jahres 1618 und zu Beginn 1619 am Himmel erschien, unter dem Vorsitz des P. Johann Baptist Cysatus „mit Lob“ (Quelle: Strauß [1]). 1627 in Bourges immatrikuliert, Promotion zum Dr. jur. utr. (beiderlei Rechts) in Italien. Er bereist Frankreich, Italien und die Niederlande und redet die Sprachen dieser Länder [2].

WERDEGANG [3][4]:

1629-1636 dient er für 5 Jahre dem Stifte Augsburg, u.a. 1629-1631 als Professor für Zivilrecht an der Universität in Dillingen, und steht danach 3 Jahre in vormundschaftlichen Diensten der Erben nach Erzherzog Leopold.

1637/38 erschien er dem Tiroler Kanzler Bienner in Innsbruck von so trefflichen Qualitäten, dass er ihn ungeachtet wiederholter abschlägiger Antworten schließlich zunächst als Regimentsrat für Innsbruck gewann. Dann wird er im selben Jahr noch Kammerprokurator, tritt aber schon im November 1638 von diesem Posten zurück und verlässt Ende des Jahres Innsbruck, um anderswo in fürstliche Dienste zu treten.

Ende 1638 kehrt er in seine fränkische Heimat zurück und dient für die nächsten 5 Jahre dem Hochstift Eichstätt. Dort wird er Rat und

1640 Kanzler des Fürstbischofs Marquard II. Schenk von Castell.

13.3.1640 wird er (als fb. Kanzler) zum Fränkischen Kreistag nach Nürnberg deputiert,

24.5.1640 ist er (als fb. Kanzler) beim Provinzialgerichtshof von Hirschberg-Beilngries persönlich anwesend,

1641 ist er unter den Gesandten des Fürstbischofs zu Eichstätt und stellvertretender Gesandter Augsburgs beim Reichstag zu Regensburg [5],

20.10.1641 nimmt er die Beschreibung der Arberger Grenze vor,

14.3.1642 erhält er fb. Instruktion für den Bamberger Kreistag,

1.10.1643 ist er unter den Beisitzern und Urteilssprechern auf dem Landgericht zu Hirschberg.

Ende 1643 verlässt er Eichstätt und wechselt in die Dienste des Erzfürstbistums Salzburg. Dort wird er Hofrat und Vizekanzler des Erzbischofs Paris Graf Lodron und erhält Pflege und Landgericht Neuhaus,

1646-1647 fungiert er als Salzburgischer Gesandter bei den Friedensverhandlungen zu Münster und Osnabrück am Ende des Dreißigjährigen Krieges [6],

19.11.1647 wird ihm das Haus in der Marktgasse zu Salzburg (heute Sigmund Haffnergasse Nr. 18) nach der Witwe Susanna Knoll, geb. Alt, „eingeantwortet“. Des Weiteren erhält er im selben Jahr den „Felberturm“ zu Mittersill als Lehen [8],

1649 wird er Hofkanzler, Salzburgischer Geheimer Rat und Lehensprobst.

1652-1654 ist er unter den Salzburgischen Gesandten auf dem Regensburger Reichstag [9].

1654 Aufnahme in die Salzburgische Land(mann)schaft.

8.7.1655 Erhebung in Adelsstand durch Kaiser Ferdinand III.

27.1.1662 Tod in Salzburg und Beisetzung in der Stiftskirche St. Peter (siehe Epitaph).

FAMILIE: Heirat am 28.4.1637 in Innsbruck mit Sara Burgklehner * 18.6.1617 in Innsbruck, † 3.6.1666 in Salzburg, begraben in der Stiftskirche St. Peter (siehe Epitaph). Sie ist die Tochter des Michael Burgklehner von Thierburg und Vollandsegg und der Sara von Reichart (und nach Rausch - eine Nichte des Regensburger Generalvikars Franz Weinhart).

Kinder:

  1. Marquard Motzel, * 15.2.1639 in Eichstätt, † 5.3.1639 in Eichstätt.
  2. Maria Katharina Motzel [10], * 6.2.1640 in Eichstätt, † 1.5.1719 in Salzburg, begraben in St. Peter, heiratet Johann Ludwig von Grimming, † 16.8.1707 in Freiburg im Breisgau (Matr. Salzburg, Mülln).
  3. Franz Karl Willibald Motzel, * 8.2.1642 in Eichstätt, † 1.4.1682 (Matr. St.Veit), begraben in der Schernbergkapelle in St.Veit i. Pongau.
  4. Maria Sara Motzel, * 13.8.1643 in Eichstätt, † 6.4.1645 in Salzburg, begraben in der Michaeliskirche (?).
  5. Johann Ignaz Motzel [11], * 13.12.1645 in Salzburg, † 3.4.1708 in Salzburg, an Wassersucht.
  6. Volbert Motzel [12], * 3.8.1648 in Salzburg, † 4.4.1679.
  7. Maria Anna Motzel [13], * 9.1.1650 in Salzburg, † 15.1.1717 und begraben im Stift Nonnberg.
  8. Rupert Motzel [14], * 24.10.1651, † vermutl. im Kloster Scheyern.
  9. Georg Michael Motzel, * 15.5.1655, † 25.3.1656 in Salzburg.

_______________

[1] Strauß, Andreas: „Berühmte Männer der Diözese Eichstätt“

[2] bei www.austroarchiv.com

[3] Quelle: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburgische Landeskunde (Beiträge zur Salzburger Familiengeschichte) MGSLK 68, 1928, S.116-120, 5. Motzel, von Dr. Karl Ledóchowski

[4] Rausch, Genoveva: „Die Reorganisation des Hochstifts Eichstätt unter Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell (1637-1685)“ - (Eichstätter Studien NF, 56) Regensburg 2007

[5] Edition von 1747 „Sammlung der Reichs-Abschiede, welche von den Zeiten Kayser Conrads des II. bis jetzo, auf den Teutschen Reichstagen abgefasset worden, sammt den wichtigsten Reichs-Schlüssen, so auf dem noch fürwährenden Reichs-Tage zur Richtigkeit gekommen sind.“ In der Teilnehmerliste („subscriptio“) des Reichsabschieds vom 10.10.1641 wird Volpert Motzel (unter Geistlicher Fürsten Botschaften) zweimal aufgeführt: (a) auf Seite 568 … „mit Substitution Volpert Motzelm, der Rechten D. Eichstättischen Raths und Cantzlers“ (als Vertreter des Fürstl. Augsburgischen Ratspräsidenten und Kanzlers Matthäus Wanner) und (b) auf Seite 569 „Vollpert Mozell, Doct. Fürstl. Eichstättischer Rath und Cantzler“.

[6] Nach „Acta Pacis Westphalicae“ waren „in der Zeit von Februar 1646 bis Sommer 1647 die 3 Gesandten des Erzstifts Salzburg (Salzburgisches Direktorium) Dr. Balthasar Zauchenberger (†1666), Vizekanzler Dr. Kaspar Joachim Reiter (1618-1676) und Hofrat Dr. Volbert Motzel (1605-1662). Sie waren im Januar 1646 in Münster eingetroffen“. Von der Sitzung am 7. April 1646 in Osnabrück ist vermerkt: „Sehr wahrscheinlich haben alle 3 an der Sitzung des FRO teilgenommen, da sie alle an diesem Tag in Osnabrück waren; bezeugt ist es nur für Motzel, der proponierte“ (d.h. die Anträge stellte). Nach Heinisch war Motzel auch für das Hochstift Freising bevollmächtigt und votierte auch dementsprechend. „Motzel nahm zum letzten Mal im August 1647 an einer FRO-Sitzung teil. Vom WFK abberufen, verließ er Osnabrück am 31. August und Münster am oder vor dem 3. September 1647.“

[7] Lehensakt 88 vom 19.11.1647 (im Landesarchiv Salzburg)

[8] Aus der Geschichte des Felberturms (www.borg-mittersill.salzburg.at/Felbermuseum/geschichte.htm): „1647: Erzbischof Paris Lodron übergibt seinem Vizekanzler Dr. Volpert Motzl den Felberturm und wandelt ihn in ein erbliches Ritterlehen um. Der Turm bleibt bis 1812 im Besitz der Familie Motzl.“

[9] In der Teilnehmerliste des Reichsabschieds vom 17.05.1654 wird er aufgeführt als „Volpert Moltzel, der Rechten D. geheimer Rath, Hof-Cantzler, Lehen-Probst und Pfleger zu Neuhaus“.

[10] „Der wohlgebohrnen Frau Frau Maria Katharina Grimingin von Niderrain gebohrne von Motzl“ ist in der Stiftskirche St.Peter ein Gedenkstein gewidmet, „so den 29. Aprilis Anno 1719 morgens umb 1 Uhr in Gott seelig entschlafen ist“.

[11] Benediktiner in Salzburg St. Peter: Ordensname P. Vital, Profess am 3.5.1663, Primiz am 29.12.1669.

[12] Am 30.10.1657 an der Salzburger Universität immatrikuliert als "praenob. Volpertus Mozl Salisb.Rud.". 1665 geht er ins Benediktiner-Kloster Scheyern, studiert dann die höheren Wissenschaften in Salzburg, führt in seinem Stift verschiedene Ämter, 1676 Universitätsprofessor in Salzburg für Poetik und Rhetorik, Doktor der Rechte und ordentlicher Lehrer des kanonischen Rechts.

[13] Benediktinerin in Salzburg im Stift Nonnberg: Ordensname Maria Marina Meinrada, Klostereintritt am 1.11.1664, Einkleidung am 20.6.1666, Profess am 24.6.1667 wegen des Todes S. Joan Baptist, Jungfrauenweihe am 28.10.1676 durch Erzbischof Maximilian Gandolf, Ämter: Chorregentin, Subpriorin, Novizen und Freyle Maisterin, Krankenfrau und Capelanin (Hausverwaltung), Mitbegründerin der Abtei Säben bei Klausen, Südtirol; 20 Jahre Priorin [Stellvertreterin der Äbtissin] bis 1711. Ihre eigenhändige Unterschrift findet sich noch auf verschiedenen Nekrologien [Trauerschriften]. [Alle Angaben stammen von der Archivarin des Nonnberg-Archivs, Sr. M. Maura Promberger OSB, erhalten am 17.9.2007].

[14] Benediktiner im Kloster Scheyern: Ordensname P. Vital, 1711 Profess.

Autor: Dr. Erhard Motzel, Isselstr. 43, D-64297 Darmstadt - www.motzel-online.de