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| Schloss Taczanów, Provinz Posen, Kreis Pleschen |
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Schloss Taczanów wurde erst relativ spät in der Geschichte des Geschlechtes Taczanowski erbaut. Als Mitglied des großen Wappenclans Jastrzebiec („Habicht“), das zuerst am Hof des polnischen Königs Boleslaw I. Chrobry (Boleslaus I. dem Mutigen) Ende des zehnten Jahrhunderts erscheint, nannte sich das Geschlecht nach seinem Stammsitz "Taczanów" im ehemaligen Palatinate Kalisz im Kreise Pleschen (erstmal 1379 urkundlich erwähnt), das Jan Scibor, Woiwode von Leczyca, im Jahre 1420 erwarb. Sein Sohn Jakob war der erste, der sich „aus Taczanowo“ oder Taczanowski sowie „auf Taczanów, Lobomirz und Chorzewo“ nannte. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde die Familie eines der Magnatenhäuser in Großpolen (Wielkopolska), ein Teil von und verwandt mit vielen Familien des regierenden polnischen Adels. Taczanów ging jedoch 1618 in den Besitz des Jesuiten-Ordens über. Während dieses Interregums, diente Andzrej (Andreas) Taczanowski, der dritte Sohn Jakob II. mit seiner Gemahlin Jadwiga Sierakowska, Tochter des Kastellans von Kujawien, als Ritterkommandant in der Armee des Königs Jan Sobieski im Wiener Belagerungskrieg von 1683. Nach der Befreiung Wiens zog er ebenfalls in die Schlachten durch Ungarn. Sein Wappen ist eines von 102 adeligen Kriegshelden aus dem Jahre 1683 in der von Johann Heinrich Rosen 1930 freskierten Sobieskikapelle in der St.-Josefs-Kirche am Kahlenberg bei Wien. Er ist Stammvater des Wiener Familienzweiges, der den Namen zu DASSANOWSKY Mitte des achtzehnten Jahrhunderts verdeutschte und diente dem österreichischen Kaiserhaus als Hofbeamter. Taczanów wurde 1781 durch Mikolaj (Nikolaus) Taczanowski, Jägermeister von Sieradz und Wielun, wieder in die Familie eingeführt. In den 1790er Jahren demolierte er die alten Bauten und errichtete ein Schloss in neoklassischen oder „Berliner-Stil“ des späten achtzehnten Jahrhunderts. Mikolajs Sohn, Maximilian Taczanowski, entwickelte Schloss Taczanów und die Innenräume weiter. Dazu gehörten die Hauptgalerie und der Blaue Salon, die für ihre Louis-XV.-Möbel und Beispiele französischer und polnischer Kunst bekannt sind. Während des frühen neunzehnten Jahrhunderts wurde der umliegende Park, in dem drei große Teiche liegen, in einem eleganten Gartenstil kultiviert. Maximilias Sohn, Alfons Anton (1815-1867) erbte 1838 Taczanów sowie die umliegenden Güter. Er führte die Erweiterung des Schlosses in einen größeren Komplex fort. 1861 wurde eine neogotische Rotstein-Kapelle auf einer das Schloss und Park überblickenden Erhöhung errichtet. Die detaillierten Holzschnitzereien im Innenraum und die Kirchenfenster haben bis heute überlebt. Die Katakombe der Kapelle beherbergt die Familienkrypta, die die Sarkopharge vieler Familienmitglieder beinhalten. 1864 wurde ein neogotisches Rotstein-Tor zum Gut errichtet, das Büros und eine Bibliothek beherbergte, einen zentralen Eingang zum Hof des Gutes bot und das Schloss mit der Orangerie verband, welche 1853 erbaut wurde und bis 1939 oft als Ballsaal diente. Während dieser Zeit wurde der Taczanowski-Besitz Choryn unweit von Taczanów in Posen zunehmend berühmter in der polnischen Geschichte. Der polnische Dichter und Nationalheld Adam Mickiewicz lebte 1831 in Choryn, während die preußische Regierung ihn von der Rückkehr zum russischen Polen verhinderte, wo er den Aufstand unterstützte. Mickiewiczs revolutionärer Geist beeinflusste den Erben des Herrenhauses Choryn, Edmund Taczanowski (1822-1879), der von seinen Pflichten als preußischer Offizier zurücktrat, um in den 1846 und 1848 Revolten in den polnischen Provinzen unter österreichischer Führung zu dienen. Nach den Niederlagen dieser Aktionen schloss er sich Giuseppe Garibaldis republikanischen Armeen im italienischen Risorgimento an. Nachdem er verletzt worden war und in französische Gefangenschaft geriet, wurde er freigelassen und diente 1863 als General in der polnischen Revolution gegen Russland. Nach der russischen Unterdrückung des polnischen Aufstandes floh Edmund nach Frankreich und dann in die Türkei, wo er erfolglos versuchte internationale Unterstützung zu bekommen und eine Armee für die polnische Freiheit zu erreichen. Unter Amnestie erlaubte Preußen 1870 Edmund nach Choryn zurückzukehren. Alfons Anton, Erbherr der Herrschaft Taczanów, hatte eine andere Beziehung zu Preußen. Im Jahre 1854 erhielt er in Anerkennung seiner Rolle als Repräsentant der Magnatenfamilie im preußischen Polen die persönliche Grafenwürde von König Friedrich Wilhelm IV. 1857 erfolgte die Ausdehnung der Grafenwürde auf die Gesamtfamilie in Primogenitur. Da Graf Alfons Anton jedoch keine Leiberben hatte, wurden 1858 der Titel und der erbliche Herrenhaussitz an den Besitz der Fideikommissherrschaft Taczanów geknüpft. Alfons Anton, erster Graf von Taczanow-Taczanowski, nahm seinen Platz als königlich-preußischer Kammerherr und Mitglied des preußischen Herrenhauses mit Treue ein. Allerdings starb er plötzlich im Alter von 52 Jahren aufgrund eines Schlaganfalls, als er von Berlin zurück nach Taczanów fuhr. Obwohl sein Neffe und Erbe Anton (1847-1917) offiziell der zweite Graf war und eine aktive Rolle im preußischen Herrenhaus einnahm, war seine politische Ideologie eher polnisch-nationalistisch als die seines Onkels und er weigerte sich, den preußischen Titel zu benutzen. Der Wappenspruch der gräflichen Ausfertigung des Stammwappens, „Plus penser que dire“, wurde vielleicht deshalb auch als eine ironische Bemerkung bezüglich der nicht immer harmonischen Beziehung der Familie zu Preußen verstanden. Die Fassade des Schlosses des Majorat Taczanów, welches auch die benachbarten Güter von Sowina, Bógwidze, Józfin, Grodzisko und Rukutów beinhaltete, wurde durch Antons Sohn, Graf Jan (1893-1958) verändert. Um seine Hochzeit mit Prinzessin Barbara Woroniecka 1922 zu feiern, unternahm er eine ausführliche Restauration und Vergrößerung des Schlosses und der Umgebung. Er entfernte die neogotischen Zusätze des Schlossgebäudes, um die Reinheit der neoklassischen Architektur wieder herzustellen. Dies schloss auch die Änderung des Dreieckgiebels ein, sowie die Entfernung der im gotischen Stil befindlichen Glaskuppel des Portikos, um die ursprünglichen Säulen offen zu legen. Seine Modernisierungen und Anbauten beinhalteten die Errichtung neuer Diener- und Arbeiterquartiere, neuer Arbeitspferdeställe, einer Brennerei, einer Sägemühle, einer Ziegelei und eines Kraftwerks für das Gut, die Stadt Taczanowo und umliegende Grundstücke. Das Zlota Ksiega - „Livre d’Or de la Propriété Foncière Polonaise“ - Gold Book of the Polish Agriculturalists (1929; der Band wurde in drei Sprachen veröffentlicht) berichtet, dass Taczanów zusammen mit seinem Ackerland 3.664 Hektar betrugen, von denen 2.069 Hektar kultiviert und 1.408 Hektar Wälder waren – der Taczanower Wald. Es deutet an, dass die landwirtschaftliche Entwicklung des Guts sehr arbeitsintensiv war, große Mengen an Zuckerrüben, Kartoffeln und viele Sorten Körner produzierte. Die Sägemühle produzierte ca. 4.000 Meter Bauholz und die Pflanzschule „conducted on a large scale“ verkaufte ungefähr „two million plants each year“. Am Anfang des Kriegs im Jahre 1939, verließen Graf Jan und Gräfin Barbara mit ihren Kindern Helena, Maria, Andrzej und Felicjan Schloß Taczanów. Sie kehrten nach der deutschen Besatzung zurück, wurden aber später zur Zwangsräumung gezwungen. Die Kinder studierten dennoch weiter und die Töchter absolvierten die Siostry Niepokalanki (Sororum Immaculatae Conceptionis) Schule in Szymanów. Graf Jan kam ins Gefängnis und Andrzej erlag seinen Wunden, die er sich in der Schlacht des Warschauer Aufstandes zugezogen hatte. Nach dem Krieg erfolgte die Enteignung des Schlosses im Zuge der kommunistischen „Bodenreform“ der Volksrepublik Polen und die Familie zog in die Stadt Poznan (Posen). Mit Anspruch auf Taczanów, erbte Felicjan (1928-1997) den Grafentitel nach dem Tod seines Vaters. Obwohl geplündert, wurde Taczanów im Krieg nicht sehr stark beschädigt. Das Schloss, die umliegenden Gebäude und der Park wurden von der polnischen Regierung nach der Aneignung relativ gut erhalten, wenn auch das Familienwappen über dem Hofeingang im Zentraltor verunstaltet und alle dekorativen Aspekte im Inneren entfernt wurden. Während der kommunistischen Ära, wurde Taczanów zu verschiedenen Zwecken benutzt, unter anderem als Schule. Es steht bis heute weitgehend leer, aber die ursprünglichen Innensäulen, Treppen, Balustrade und Pilaster sind noch intakt. Seit dem Fall des Kommunismus, verwaltet die örtliche Regierung das Schloss. Einige Fenster wurden ersetzt, das Gebäude wurde gestrichen und sogar der Brunnen vor dem Eingang wurde repariert. Die Kapelle, die sich in gutem Zustand befindet, wird für örtliche Feiern benutzt und das Schloss beherbergt auch heute landwirtschaftliche Büros. 1996 hielt der Familienverband, der von dem Senior des Hauses sowie den Repräsentanten seiner Linie geleitet wird, seinen festlichen Familientag im Schlosspark und feierte eine Messe in der Kapelle. Die Tatsache, dass dies von der polnischen Regierung nach so vielen Jahrzehnten des kommunistischen Verbots, sogar die Annäherung jeglicher Familienmitglieder in die Umgebung untersagte, erlaubt wurde, zeigt eine gewissen Normalisierung der Lage. Wenngleich die jetzige republikanische Regierung sich noch immer weigert, das Schloss und andere Grundstücke an die Familie zurückzugeben, gehen die Verhandlungen weiter. In letzter Zeit hat Maria Grabkowska, die Tochter des Grafen Jan, sehr aktiv an der Geschichte ihres Lebens im Schloss gearbeitet und damit die Aufmerksamkeit neuerer Generationen auf die Familiengeschichte gelenkt. Prof. Dr. Robert Dassanowsky
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