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Adelslexikon - User Notes
Geschrieben von: Toffol, Marco   

Textauszug und Bilder aus "Die Welsperger - Ein Tiroler Adelsgeschlecht in Primör" aus dem Gleichnamigen Werk von Marco TOFFOL (2001).

Das erste Auftreten der Welsperger versetzen verschiedene Chronisten - vielleicht unter dem Einfluss zeittypischer genealogischer Studien, die auf die besondere Neigung Maximilians I. zurückzuführen waren, der für viele der großen europäischen Adelsfamilien sogar vorrömische Abstammung postulierte - in die Zeit der Frankenherrschaft und nennen dabei einen gewissen Welfo, der von König Clothar II. in den burgundischen Adel erhoben worden sein soll .

Sodann wird von toskanischen Ursprüngen berichtet: Die Welsperger entstammten demnach einer Familie, die von Etrurien nach Rätien gezogen wäre und nach verschiedenen Fährnissen den Tiroler Raum erreicht habe. Wenn wir von den mehr oder weniger phantasievollen Berichten Abstand nehmen und im Bereich der belegbaren Geschichte bleiben, finden wir als Gründer oder Stammvater des Hauses der späteren Grafen Welsperg einen gewissen Otto, der 1140 gemeinsam mit seinen zwei Söhnen Swideger und Otto II. erwähnt wird, wie eine Traditionsnotiz des Klosters Neustift bezeugt. Zu jener Zeit dürfte die 1167 erstmals erwähnte Burg Welsperg bei Welsberg im Pustertal bereits bestanden haben.


Nach Aufteilung des väterlichen Erbes errangen die Nachkommen Ottos als Lehensleute der Grafen von Görz-Tirol bedeutende Positionen: Ihre Herrschaftsmittelpunkte waren der Burgfrieden von Welsperg und ab 1298 das Gericht und die Burg Heinfels , sowie ausgedehnte Besitzungen diesseits und jenseits des Brenners. Als Richter tauchten sie erst ab dem Jahr 1282 auf, wonach sie in der zweiten Hälfte des 14. Jh. dieses Amt wieder verloren.

In jener Zeit war der Name Welsperg bereits bekannt und angesehen, die Feststellung des Ursprungs bleibt jedoch schwierig. Die Familie dürfte ihren Namen von der Burg Welsperg ableiten, die vermutlich von Welfen (Welsperg, Welfesperg = Burg des Welf) errichtet worden ist, während andere als Herkunft eine aus Freising stammende Familie Welfesberch angeben. Nicht näher in Betracht zu ziehen ist die Hypothese, wonach die Welsperg von den sagenhaften Welfen von Altdorf abstammen sollen, wie Rachini berichtet.

Swideger, der einzige Sohn Ottos II., wird in Urkunden von 1178 und 1204 erwähnt . Er hatte zwei Söhne: Heinrich, dessen Zweig nach wenigen Jahren ausstarb, und Ulrich, dessen Stamm sich in der Familie der späteren Grafen Welsperg fortsetzte. Bei der Erbteilung erhielt Ulrich als Apanage die Burgen und Ansitze Meisenreut, Zellheim und Welsperg. Unter den wenigen Nachkommen Heinrichs zeichnete sich Otto IV. aus, der sich aktiv an der Expansionspolitik Graf Alberts III. von Tirol auf Kosten anderer Dynasten und des Brixner Bischofs Berthold beteiligte und der dank Alberts Hilfe der Familie wichtige Rechte in der Hofmark Innichen sicherte. Dem Sohn von Otto IV., Otto V., ist die Stiftung der Pfarre von Taisten in der Nähe von Welsberg zu verdanken, wo noch heute die Grabplatten einiger Mitglieder des Geschlechts zu sehen sind. Er musste auch den harten Angriff Meinhards II. von Tirol auf Besitzungen und Rechte der Welsperger hinnehmen. An den Auseinandersetzungen um die Hofmark Innichen und die Stiftsvogtei, der sich im Laufe der Zeit wegen der Übergriffe des Bischofs von Freisingen verschärfte, war hingegen ein Bruder Ottos IV., Heinrich V., beteiligt.

Ulrich hatte acht Kinder, darunter Konrad, Stammvater des Zweiges Welsperg-Ligöde, dessen Bestimmungsname sich von dem in Toblach gelegenen Ansitz herleitet, der 1250 in den Besitz der Familie übergegangen war. Der Zweig erlosch mit Magdalena, einer Urenkelin Konrads. Ein weiterer Sohn, Friedrich II., setzte die Linie der Welsperg-Taisten fort, die dann in den Hauptstamm einfloss. Der erstgeborene Sohn Ulrich I. häufte verschiedene Besitzungen, die er von Vettern der anderen Linien der Familie geerbt hatte, und sicherte mit fünf Nachkommen den Fortbestand des Geschlechts. Hier können wir bereits die verschiedenen Zweige der Familie erkennen, die sich deutlich durch die verwalteten Besitzungen abzeichnen: die Welsperg-Thurn mit Nikolaus, die Welsperg-Taisten mit Friedrich III., die Welsperg-Meisenreut mit Heinrich VII., die Welsperg-Gsiess mit Konrad und die Welsperg-Zell mit Ulrich. Mit dessen Sohn Zacharias begann die Linie St. Michelsburg, die jedoch bald erlöschen sollte: Ihre Herrschaftsmittelpunkte waren die Burgen St. Michelsburg und Taufers. Die verschiedenen Herrschaften der Familie wurden erst unter den Nachkommen Heinrich VII., vor allem unter Ulrich (IV.) und seinen Söhnen Georg und Christoph, gegen Ende des 14. Jahrhunderts wieder vereint. Es waren Jahre der Expansion mit beachtlichem Gütererwerb, wodurch die Welsperger zu den führenden Familien des Pustertales avancierten. Die Güter der Familie, die wegen des Aussterbens verschiedener Zweige und aufgrund von Erbschaften, Schenkungen und Abtretungen unter verschiedenen Mitgliedern vereint wurden, erfuhren - dieses Mal endgültig - eine Aufteilung unter Georg II. und Christoph I.: der erste war der Stammvater der Linie Welsperg-Primör mit dem Gericht Primiero und den Gerichten in der Valsugana (Telvana, Ivano und Pergine), der zweite der Linie Neurasen-Zellburg mit den Burgen Alt- und Neu-Rasen, Zellburg und Zellheim. Der Zweig Christophs I. erlosch 1669 mit dem Tod von Paris Ferdinand, dessen Erbe unter anderen österreichischen Adelsfamilien aufgeteilt wurde, wie die Grafen Recordin und die Grafen Hardegg, während der Zweig Georgs das Geschlecht der Herren von Welsperg bis zum Aussterben im Jahr 1907 weiterführte.

Eben jener Georg, dem wir zu Beginn dieses kurzen Überblicks über die Familiengeschichte begegnet sind, soll uns hier näher interessieren: Mit ihm beginnt die Verbindung zwischen dem Primiero und der Familie Welsperg, die sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte festigen sollte. Der Lehensbrief von 1401 wurde zum ersten Mal am 14. Februar 1403 bestätigt. Das Archiv der Welsperger verwahrt noch zahlreiche spätere Lehensbestätigungen: Die Welsperger hatten als Lehensleute des habsburgischen Landesfürsten bei jedem Herrschaftswechsel bzw. bei Ableben des Gerichtsherren um eine Neubelehnung einzukommen. Nach dem Wortlaut der Urkunden scheint Herzog Leopold IV. den Herren von Welsperg das Gericht Primiero verkauft zu haben, um sich Georg wegen der geleisteten Dienste und der finanziellen Unterstützung im Krieg gegen die Eidgenossen dankbar zu erweisen: Wenngleich diese Hypothese nicht durch Urkunden bestätigt wird, ist sie nicht auszuschließen.

Mit dem Adel ist das Ausüben von Herrschaftsrechten über Land und Leute gewissermaßen wesensimmanent verbunden. Man denke an die Bergbaurechte, die Erzherzog Siegmund der Familie Fugger als Entgelt für die finanzielle Hilfe und die gewährten Darlehen überließ. Das Gericht Primiero war wegen seines Waldreichtums und seiner Bergschätze sicher vor allem ökonomisch sehr interessant. Die Belehnung sah zudem die Möglichkeit vor, die Rechtsprechungskompetenzen sehr breit wahrzunehmen, diese umfaßten nach Racchini "das Recht der Groß- und Kleinwildjagd, der Errichtung von Bergwerken und Zöllen, der Auferlegung von Gebühren und Steuern, der Einhebung von Zehnten und Zinsen, des ausschließlichen Eigentums an sämtlichen Forst- und Weidegründen, der Errichtung und des Abrisses von Burgen, der Rüstung und Abrüstung der Untertanen [...]" . Wie man sieht, waren die Zuständigkeiten relativ umfassend und standen im Widerspruch zu einigen Rechten, die die Bevölkerung von Primör im Laufe der Jahre erworben hatte.

 


Christoph (IV.) von Welsperg (1528, †1580) und
seine Gattin Dorothea Lucia Firmian Kronmetz

 

Das Tal wurde im Namen der Adeligen von zwei Richtern für den zivil- und den strafrechtlichen Bereich und von einem Hauptmann verwaltet, der zumeist auf Castel Pietra saß. Der Hauptmann wurde von einem Vikar unterstützt, dem er Aufgaben und Befugnisse delegierte. Georg erwarb nicht nur unser Tal, sondern auch einige Rechte über Güter und Patronate, die Gegenstand von Zwistigkeiten mit dem Bischof von Freising waren, wie auch die Burgen Lebenberg und Tschengels im Vinschgau. Bei seinem Tod im Jahr 1405 wurde sein Sohn Kaspar Nachfolger, der die Familie durch zwei Eheschließungen mit den bedeutenden Geschlechtern der Trautson und der Vilanders verbündete. Von den zwei Söhnen Kaspars, Johann und Balthasar, verdient zweifellos der letztere unsere Aufmerksamkeit, nicht nur da sein Familienzweig das Geschlecht der Welsperg weiterführte. Der 1412 geborene Balthasar wurde Rat der Grafen von Görz und görzischer Hauptmann von St. Michelsburg. Herzog Siegmund belehnte ihn mit Telvana und San Pietro in der Valsugana. Wie Racchini anführt, trug Balthasar entscheidend zum Übergang der Grafschaft Görz auf die Habsburger bei. Während des Krieges, den Siegmund gegen die Serenissima führte, wurde Balthasar vom Dogen in der Lagunenstadt als Geisel gehalten. Das beweist die Bedeutung und den Einfluss, den der Welsperger auf die Politik des Erzherzogs hatte, und lässt an eine Beteilgung an der Beschlagnahme der venezianischen Güter in Primiero denken - eines der auslösenden Momente des Krieges, der 1487 mit der Schlacht von Calliano zugunsten der Habsburger entschieden wurde. Durch Balthasar erhielt die Familie Welsperg das erbliche Besetzungsrecht bzw. Präsentationsrecht für das Priorat von San Martino di Castrozza und die Pfarre von Primiero zugesprochen - ein Recht, das mehrmals im Laufe der Jahre in Frage gestellt, doch stets bestätigt werden sollte. Unter seiner Gerichtsherrschaft wurde das Tal in die Venezianischen Kriege Maximilians I. verwickelt, bei denen unter anderem die Stadt Feltre in Flammen aufging.

Balthasar heiratete viermal, was auch in diesem Fall der Familie gestattete, sich mit den einflussreichsten Tiroler Geschlechtern zu verbünden. Seine Grablege befindet sich in der Pfarrkirche von Taisten. Von seinen Söhnen sei Bartholomäus erwähnt, der mit der römischen Kurie einen heftigen Streit wegen der Patronatsrechte über San Martino di Castrozza führte, die dann Papst Leo X. der Familie für immer zusprach. Siegmund III., Sohn von Christoph III. und Neffe von Bartholomäus, musste in der Valsugana einen Ansatz zu einem Aufstand unterdrücken, der im Rahmen des Tiroler Bauernaufstandes von 1525/26 zu sehen ist. Wir wissen nicht, ob und in welchem Maße die Gemeinschaft von Primiero darin verwickelt war; es scheint jedenfalls, dass einige Vertreter zu jenem Landtag entsandt wurden, den Michael Gaismair, charismatischer Führer des Aufstands, einberufen hatte. Wie erwähnt, reagierten die Aristokratie und der Klerus rasch und nachhaltig. Der Unterdrückung wurde auch in unserer Gegend der offene Anstrich eines religiösen Kreuzzugs gegen die "häretischen" Lehren gegeben, die aus Deutschland hierher gelangt waren. In dem Zusammenhang sind auch einige behördliche Maßnahmen gegen die im Tal lebende Gemeinschaft der deutschen Bergleute zu erwähnen, auch wenn es keine Belege gibt.

 


Siegmund (IV.) von Welsperg (1552, †1613) und
seine Gattin Klara von Hohenems (†1604)

 

Im Jahr 1539 wurde Siegmund in den Freiherrenrang erhoben, wonach das Familienwappen durch das Wappen der ausgestorbenen Herren von Vilanders vermehrt wurde. Unter Siegmunds Sohn, Christoph IV., kam die Familie erneut in den Besitz von Gütern, die zum Gericht Alt- und Neu-Rasen gehörten, zudem wurden die Welsperger mit dem erblichen Küchenmeisteramt der gefürsteten Grafschaft Tirol ausgezeichnet. In dieser Zeit (1571) tauchen die beiden Löwen im Wappen auf. Die Bedeutung der Familie Welsperg zeigte sich damals auch durch die diplomatischen Funktionen, die der Sohn Christophs, Siegmund IV., bekleidete, der an verschiedenen europäischen Höfen als Botschafter Kaiser Rudolphs II. agierte. Wer an ihn denkt, denkt gleichzeitig auch an seine Hochzeit mit Klara von Hohenems, die in Trient stattfand und bei der, wie es heißt, zahlreiche Botschafter und 3.600 Geladene anwesend waren, die das Ereignis acht Tage lang feierten. Beim Tod Siegmunds wurden die Güter und Besitzungen der Familie Welsperg 1618 unter den Söhnen Jakob Hannibal und Siegmund Wolfgang aufgeteilt. Dies war die letzte der großen Erbteilungen der Familie Welsperg. Jakob Hannibal, der das Gericht Primiero erhielt, setzte die Linie Primör fort, die erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausstarb.

 


Siegmund (V.) Wolfgang von Welsperg (1594, †1647) und
seine Gattin Helena von Wolkenstein-Rodenegg (†1667)

 

Siegmund Wolfgang war Stammvater jener Linie, die später die Herrschaft Langenstein mit den Gütern der Familie Raitenau erwarb. In der Folge erhielt sie wegen des Aussterbens der anderen Linie wieder das Gericht Primiero. Das Konnubium mit dem hohen Adel zeigt sich auch in den Eheverbindungen der Nachkommen von Jakob Hannibal und Siegmund Wolfgang: Im Stammbaum der Familie finden wir die Grafen Lodron, die Wolkenstein, die Fugger, die Thurn und Taxis, die Fürsten von Liechtenstein, die Thurn Valsassina und andere, vielleicht weniger bekannte, aber nicht weniger bedeutungsvolle Geschlechter. Jakob Hannibal zum Beispiel ehelichte Beatrix Gräfin Lodron, Schwester jenes Paris', der als Reichsfürst und Erzbischof von Salzburg eine der berühmtesten Persönlichkeiten seiner Zeit war. Das Geschlecht des Jakob Hannibal, die Linie Welsperg-Primör, das Österreich bedeutende Diplomaten und Militärs schenkte, erlosch 1840 mit Johann Nepomuk, der sich in den Jahren nach den napoleonischen Siegen in Tirol in den Dienst der bayerischen Verwaltung gestellt hatte. Er behielt seine Güter und Ämter bei, als das Land wieder an Österreich fiel, wenngleich er, so wie die anderen Vertreter seines Standes, nach dem Gesetz von 1823, das der Grundentlastung und der Aufhebung der Untertänigkeit vorausging, auf die Jurisdiktions- und Feudalrechte verzichten musste.

Folgen wir jedoch nun der Linie von Siegmund Wolfgang, auch als Siegmund V. bekannt, der uns in eine jüngere Zeit bringt, in der mit dem endgültigen Wegfallen der Lehensrechte auch die politisch-wirtschaftliche Beziehung zwischen der Familie Welsperg und unserem Tal endet. Vorhin haben wir darauf hingewiesen, dass Siegmund durch die Gütertrennung von 1618 die Pustertaler Besitzungen und die Gerichte der Valsugana mit Telvana und San Pietro erhielt. Mit ihm verlor die Familie den letzten Teil der Güter - vermutlich wegen der zu hohen Schulden Siegmunds, der einige Jahre am Hofe Frankreichs verbracht hatte. Die Pfandherrschaft Valsugana wurde 1632 mit allen dazugehörigen Rechten - um angeblich 54.000 Gulden - von Erzherzogin Claudia ausgelöst. In der Valsugana, auf der Burg Telvana bei Borgo wurde 1625 Christoph Siegmund von Welsperg geboren, der 1648 Maria Anna Katharina Gräfin Raitenau heiratete.

 


Christoph Siegmund von Welsperg (1625, †1675) und
seine Gattin Maira Anna Caterina von Reitenau (†1658)

 

Mit der Eheschließung erhielt die Linie das Prädikat Raitenau und übernahm nach dem Aussterben der Raitenauer die entsprechenden Güter und das Wappen: Maria Annas Bruder, Rudolph Hannibal, der 1671 ohne Nachkommen starb, setzte seinen Schwager als Erben ein, der daraufhin den Titel Graf Raitenau führte und dem Familienwappen die letzte Form gab, die wir oft auch im Primiero abgebildet sehen. Die Güter der Raitenau umfassten die Herrschaft Langenstein in der Nähe des Bodensees: Das gleichnamige Schloss enthielt eine Porträtsammlung von Mitgliedern der Familie Welsperg, angefangen von Guidobald I., Sohn des Christoph Siegmund. Dieser war es, der am 15. April 1693 von Kaiser Leopold I. für sich und seine Nachkommen den Reichsgrafentitel mit dem Prädikat "Welsperg-Raitenau-Primör" erhielt, wie auch die Titel Herr von Langenstein, Küchenmeister der gefürsteten Grafschaft Tirol, Erbmarschall des Hochstiftes Brixen, kaiserlicher Kammerherr, Herr von Altrasen usw. Am 6. August 1693 wurde Guidobald als Graf in die Tiroler Matrikel eingetragen. Es war die Zeit der größten gebietsmäßigen Ausdehnung der Familie Welsperg, die nicht nur auf die direkten Besitzungen und Gerichtsherrschaften, sondern auch auf die hohen Verwaltungsämter zurückzuführen war, in die Guidobald vom Kaiser berufen wurde.

Guidobalds Sohn, Karl Guidobald, überlebte den Vater nicht, der das Familienerbe dem Enkel Josef Ignaz überließ, der 1702 geboren wurde und 1760 im Pustertal starb.

 


Karl Guidobald (I.) von Welsperg (1678, †1723) und
seine Gattin Jolanda (Violante) Fugger-Kirchberg-Weissenhorn (†1704)

 

Eine an Ruhmesworten besonders reiche Familienchronik zählt die vom Grafen erworbenen Titel auf und gibt an, dass er "31 Jahre lang dem österreichischen Herrscherhaus diente und sich Ehre machte, wobei er so wenig auf seine Privatinteressen achtete, dass er am Ende seiner Existenz mit Schulden überlastet war". Er heiratete dreimal und hatte drei männliche Nachkommen, von denen der erste, Anton, vorzeitig am 18. Juni 1857 im Siebenjährigen Krieg in der Schlacht von Kolin starb. Der zweite Sohn, Johann Joseph, wählte den Weg der Kirchenwürde: Er wurde 1749 Domherr von Trient, 1762 Domherr von Passau, 1796 Domdekan und Statthalter von Passau und nicht zuletzt Prior von San Martino di Castrozza. In der Geschichtsschreibung erscheint er als Persönlichkeit von hoher Kultur, als eifriger Gelehrter, Philosoph und Schutzherr der Literatur und der Künste. Es heisst, dass ihn das Domkapitel von Passau zweimal für das Bischofsamt vorschlug, dass er aber in beiden Fällen die Ernennung ablehnte. Dieser Hinweis findet jedoch keine Bestätigung in den Urkunden des Bischofsordinariats der Stadt. Der intensive Briefwechsel mit seinem Bruder zeugt jedoch von seiner großen Bildung im künstlerischen Bereich und von seiner Leidenschaft als Sammler von Kunstwerken. Der besondere Charakter dieser Persönlichkeit geht auch aus seinem mutmaßlichen Beitritt zur Freimaurerloge von Wien hervor. Im Gegensatz zu seinem Vater wird er von manchen Historikern seiner Zeit als "großer Gegner des österreichischen Herrscherhauses und Anhänger des Reichs Bayern bezeichnet" - vielleicht wegen der Intensität, mit der er ausschließlich die Interessen des Klosters von Passau vertrat. Von seiner Mutter erbte er die Herrschaft von Lichtenau, die er dem Neffen Carl Anton vermachte. Ein Freskenbild auf dem Haus des Priorà von Imer aus dem Jahr 1751 hält die Erinnerung an ihn in Primiero wach.

 


Josef Ignaz von Welsperg (1702, †1760) und
seine Gattin Gabriella Sprinzenstein (†1740)

 

Es fiel also Philipp, dem dritten Sohn von Josef Ignaz die Aufgabe zu, das Geschlecht der Welsperg weiterzuführen. Auch er beteiligte sich an den ersten Schlachten des Siebenjährigen Krieges, wonach er den Staatsdienst wählte und die Diplomatenlaufbahn einschlug. Als Botschafter war er an verschiedenen europäischen Höfen tätig. Im Jahr 1806 starb er in Graz und überließ dem Sohn Carl Anton, der 1779 in Görz geboren wurde, die Aufgabe, sich der neuen Zeit zu stellen, die mit dem Auftreten Napoleons begann und Angriffe auf die Feudalprivilegien und das Eigentum der alten europäischen Adelshäuser mit sich brachte. Die Herrschaft Langenstein war bereits auf das Eigentum des Königs von Württemberg, des Verbündeten Napoleons übergegangen. Die unstabile Lage infolge der napoleonischen Kriege und die daraus entstandenen Veränderungen der Gesetzeslage in zahlreichen Staaten Europas - vor allem was das Adelsrecht betraf - bewogen Carl, die Herrschaft Langenstein ganz abzutreten, 1826 verkauften sie die Welsperger endgültig an den Großherzog Ludwig von Baden. Die angedeuteten Neuerungen griffen auch im österreichischen Staat, der 1823 mit kaiserlichem Dekret dem Adel die dynastischen Rechte nahm. Es folgte 1848 die Grundentlastung, die der Aristokratie endgültig die ihr verbliebenen Feudalprivilegien nahm. Als letztes wurde mit einem Gesetz des Jahres 1850 die Leibeigenschaft abgeschafft.

In der Zwischenzeit vereinigte sich im Jahr 1840 die Familie Welsperg mit dem Ableben von Johann von Welsperg-Primör, dem wir bereits begegnet sind, zu einem einzigen Zweig: Die Rechte über Primör und das Priorat von San Martino di Castrozza gingen demnach auf Carl Anton und seine Linie über.

 


Heinrich Carl von Welsperg (1850, †1907) und
seine Gattin Carolina von Moll

 

Carl Anton, der 1873 in Puchersdorf bei Wien starb und in Taisten begraben wurde, hatte eine Schwester, Adelheid, die ich hier erwähne, da von ihr Georg Siegmund Graf Thun-Hohenstein-Welsperg, der derzeitige Eigentümer der Liegenschaften der Familie Welsperg in Primiero, abstammt. Carls erstgeborener Sohn, Eugen, der 1808 zur Welt kam, heiratete Elisabeth Gräfin Spaur; er starb 1867 und liegt im Friedhof von Pieve begraben. Sein einziger Sohn, Heinrich Carl, den das Unglück traf, 1896 seinen erst vierzehn Jahre alten Erben Konrad zu verlieren, wird als letztes Mitglied der Familie Welsperg geführt. Sein Wappen ist neben dem seiner Gattin Carolina von Moll auf der Verglasung des ersten Stiegenabsatzes im Palais Welsperg in Fiera di Primiero zu sehen. Nach 506 Jahren löste sich der Name Primör endgültig von einer der einst führenden Tiroler Adelsfamilien. Im Jahr 1913 gingen die Titel und das Wappen der verstorbenen Grafen Welsperg an den Erben Amadeus Maria Thun-Hohenstein über, Enkel jener vorhin erwähnten Adelheid, die Carl Antons Schwester war. Seit damals führt dieser Zweig der Grafen Thun der Linie von Castel Bragher im Nonsberg, deren derzeitiger Vertreter Graf Georg Siegmund ist, die Prädikate, die früher den Welspergern gehörten.

Eugens Tod unterbrach jedoch in der Vorstellungswelt der Bevölkerung von Primiero nicht die über hundert Jahre alte Beziehung zu den früheren Gerichtsherren: Der Name Welsperg bleibt, über alle Zwistigkeiten hinweg, unauslöschlich mit dem Namen des Tales verwoben. Castel Pietra, das Palais Welsperg und die zahlreichen Wappendarstellungen auf den bedeutendsten Baudenkmälern des Tales lassen noch heute eine historische Bindung fortleben, die unsere Geschichte beeinflusst hat.

QUELLE:

  • TOFFOL, Marco - "Die Welsperger - Ein Tiroler Adelsgeschlecht in Primör" (2001).