Tirolisch-Vorarlbergischer Wappenschlüssel Drucken
Literatur - Wappenschlüssel für Tirol und Vorarlberg
Geschrieben von: Schullern, U.   
Konrad FISCHNALER's Wappenschlüssel muß als Großtat auf dem Gebiete der tirolischen Heimatforschung anerkannt werden und hat als heraldisches Sammelwerk großen Stils, dessen Forschungsbereich auch zahlreiche Geschlechter aus den an Tirol angrenzenden Gebieten umfaßt, soferne sie zu Tirol in irgend einer Beziehung standen, weit über die Grenzen des Landes hinaus Beachtung gefunden. 

Es soll nicht abgeleugnet werden, dass dem Werke sowohl Mängel in der Anlage als auch Unrichtigkeiten im Einzelnen anhaften; dies ist bei einem Sammelwerk, das sich aus hunderttausenden von Einzelangaben zusammensetzt, nicht verwunderlich.

 

Fischnaler's Wappenschlüssel ist heute in allen öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven zu finden und ist bereits ein unentbehrliches Hilfsmittel für historische, kunsthistorische und heimatkundliche Arbeiten geworden. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass viele Benützer durch den gewaltigen Umfang des Werkes, durch Fischnaler's Eigenart der Wappen-Beschreibung und durch die reichliche Verwendung von Zeichen und Abkürzungen abgeschreckt, den Wappenschlüssel nur schwer zu gebrauchen verstehen. Es empfiehlt sich daher, vor dessen Benützung die nachstenden Ausführungen aufmerksam zu lesen und zu beachten.

  • FISCHNALER, Konrad – „Tirolisch-Vorarlberg'scher Wappenschlüssel“, in Ausgewählte Schriften Bde. 2-7, Verlag Albert Ditterich, Innsbruck 1936-1951.

Einweisung

Was umfasst der Wappenschlüssel?

Pfahlbalken, Schragen, BalkenIn Fischnaler’s Wappenschlüssel finden wir nicht nur echte Wappen verzeichnet, d. h. also einerseits die aus der Zeit der ritterlichen Heraldik hervorgegangenen, angestammten persönlichen Abzeichen, die als Schmuck für Wehr und Waffen (Schild, Helm, Fahnen, Pferdedecken), auf Burgen, Grabsteinen, Siegeln usw. dienten, andererseits die von Kaisern, Landesfürsten oder sogenannten Hofpfalzgrafen seit dem Ausgang des Mittelalters an verdiente Personen verliehenen erblichen Familienzeichen (Wappen des Briefadels und der Bürger) – sondern der Kreis ist viel weiter gezogen.

Wenn Fischnaler z. B. außer den Heiligengestalten, die gelegentlich als eigentliche Wappen-Figuren vorkommen (z. B. der Heilige Jacobus im Wappen der Familie Peregrini), Heilige und andere religiöse Darstellungen auf den Siegeln der Stifte und Klöster, oder religiöse Embleme, die sich Geistliche frei als Siegelbild erwählt haben, im Wappenschlüssel aufnimmt, so ist dies aus Fischnaler’s Absicht hervorgegangen, auch unbekannte Siegel, zu identifizieren. Wir finden bei Fischnaler auch apokryphe Wappen aufgenommen, wie solche z. B. in alten Chroniken Bischöfen oder Äbten zugewiesen wurden, deren Wirken in eine Zeit vor Einführung der Wappenkunst fiel. Darüber hinaus ist der Kreis erweitert durch wappenähnliche Darstellungen, wie sie von nicht wappenfähigen Personen auf sogenannten Signeten oder Petschaften zum Siegeln verwendet wurden.

Der Titel des Werkes müsste also richtiger lauten: „Tirolisch-Vorarlbergischer Wappen- und Siegelschlüssel“.

Einteilung des Wappenschlüssels

Da sich Fischnaler’s Einteilung des wappenschlüssels in „Teile“ und „Folgen“ als unübersichtlich erwiesen hat und sich außerdem mit den einzelnen Bänden nicht deckt, empfiehlt es sich nur nach Bänden der „Ausgewählten Schriften“ und Seiten zu zitieren. Da Fischnaler die in Band II., S. 363 vorausgeschickte Gliederung selbst nicht eingehalten hat, wird nunmehr nach Drucklegung des ganzen Werkes folgende Inhaltsübersicht des ganzen Wappenschlüssels nachgetragen:

 

1. Ungeteilter Schild

a.) Personen Band II, S. 269 ff - Nachtrag hiezu Band III, S. 10-21.

b.) alle übrigen gemeinen Figuren Band III, S. 22-606.

2. Gespaltener und geteilter Schild Band IV.

3. Schrägrechts und schräglinks („schrems“) geteilter Schild, Spitze, Band V.

4. Gevierteter Schild (Vierung) und Schrägvierung, Band VI.

5. Alle übrigen heraldischen Schildteilungen oder Heroldsbilder (Pfahl, Balken, schrägrechter und schräglinker Balken, Sparren, Schach, Kreuz usw.) Band VII.

 

Geviertete Wappen mit Herzschild sind in den meisten Fällen in jenem Band aufzusuchen, in den der Herzschild für sich allein betrachtet nach vorstehender Übersicht gehört, also ungeteilter Herzschild in Band II und III, gespaltener Herzschild in Band IV usw. Dies ist jedoch nicht einheitlich durchgeführt z. B. Ecker Bd. VI, S. 15.

Schildhaupt und Schildfuß sind unter den geteilten Schildern in Band IV zu finden. Spaltschilde sind in Band IV oder Band V, mitunter an beiden Stellen angeführt, gespaltene Schilde mit Sparren in Band IV und Band VII zu suchen.

Kreuze gehören, soweit sie heraldische Schildteilungen darstellen, wie das Heroldskreuz, in Band VII, während Kreuze, die den Rand des Schildes nicht berühren, als gemeine Figuren in Band III verzeichnet sein sollten. Man ziehe also beide Bände zu Rate, Kreuze, welche statt der Vierungslinie den Schild in vier Felder teilen, erscheinen in Band VI angeführt.

Nach der Figur geteilte Sparren sind von Fischnaler als mehrteilige Spitzen („Innenspitzen“) behandelt und daher in Band V oder auch in Band VII unter Sparren zu finden.

Trotz einem vielfach geäußerten Wunsch war es leider nicht möglich, den VII. Band ein Gesamtregister aller bisher erschienen Bände beizugeben, da dies allein einen Band von 350-400 Seiten erfordert hätte. Beim Nachschlagen in den Registern der Einzelbände sind alle Möglichkeiten der Namensschreibung zu berücksichtigen, die sich aus mundartlichen Verschiedenheiten ergeben z. B. Rainer = Reiner, Egger = Ecker = Eecher, Bock = Pock, Danner = Thanner, Pircher = Pürcher. Den Registern ist das sogenannte Historische ABC zugrundegelegt: a, b/p, c/k, d/t, e, f/v, g usw.

Auch die in Vorwort zum VI. Band geäußerte Absicht, diesem abschließenden Band Illustrationen der Haupttypen der im Wappenschlüssel behandelten Wappen beizufügen, musste derzeit zurückgestellt werden, weil der Band zu umfangreich geworden wäre. Jedoch ist der Plan, zu dem schon Vorarbeiten im Gange sind, nicht aufgegeben.

Wappenbeschreibung (Blasonierung)

Ein Wappen soll so beschrieben (blasoniert) werden, dass man imstande ist, es in seinen wesentlichen Teilen (Schild, Helm und Helmzier oder Kleinod), was Zeichnung und Farbe betrifft, nach der Beschreibung wiederzugeben. Um allen Anforderungen der Beschreibung auch der kompliziertesten Wappen gerecht zu werden, bedient man sich in der Heraldik einer eigenen Fachsprache, die sich nach dem Gebrauch der Heroldsämter durch die Jahrhunderte entwickelt hat und in neuerer Zeit von führenden Heraldikern für den wissenschaftlichen Bedarf genau festgelegt worden ist. (Gritzner, Heraldische Terminologie, von Sacken, Heraldik, u. a.).

Dadurch dass sich Fischnaler jedoch in vielen Diengen nicht daran hält, sondern sich eine eigene heraldische Ausdrucksweise zurechtgelegt hat, wird das Verständnis der Wappen-Angaben im Wappenschlüssel oft erschwert. Zum besseren Verständnis des Wappenschlüssels beachte man daher die Zusammenstellung der Fischnalerschen Terminologie gegenüber dem in der Heraldischen Literatur üblichen Sprachgebrauch (s. u.).

Schildteilung

Die häufigste Abweichung der Ausdrucksweise Fischnaler’s von der allgemein anerkannten Terminologie ergibt sich bei den gespaltenen und geteilten Schilden. Während die Heraldik einen durch eine gerade Anzahl von Querlinien (2, 4 usw.) in rote und silberne Felder (Plätze= geteilten Schild als „ein, zwei usw. silberne Balken in Rot“ bezeichnet, dagegen einen durch eine ungerade Anzahl von Linien (3, 5 usw.) geteilten Schild als einen „von Rot und Silber 3mal, 5mal usw. geitelten Schild“ beschreibt, nennt Fischnaler solche Schilder „3||V|| Querbalken, 5 usw. || V Querbalken (Querstege)“ bzw.“4, 6 usw. || V Querbalken (Querstege)“. Ähnlich spricht die heraldische Terminologie bei Schilden mit einer geraden Anzahl von senkrechten Teilungslinien von „Pfählen“, bei Schildern mit einer ungeraden Zahl von Spaltlinien von „Xmal gespaltenem Schild“, während Fischnaler die Bezeichnung „Längs- oder Spaltstege“ anwendet.

Fischnaler beschreibt ein und dasselbe Wappen-Bild häufig verschieden, wodurch die Klarheit ebenfalls leidet, z. B. Bd. VI, S. 261 ff:

 

a) || Schildlinkshälfte mit angeschlossenem Balken nach rechts, die beiden Eckviertel V

b) || Spaltfach links mit verbundenem || Balken nach rechts, das rote Obereck und jenes am rechten Schildfuß V

c) || Spaltfach mit angefügtem rechten Seitenbalken und V Seitenvierteln.

 

statt heraldisch eindeutig: Gespalten von V und ||, mit einem || Balken im V Feld.

Beim schräggevierteten Schild ist zu beachten, dass Fischnaler das rechte Feld als 1, das obere als 2, das linke als 3 und das untere als 4 bezeichnet, während der allgemeine heraldische Gebrauch oben als 1, r. als 2, links als 3 und unten als 4 anspricht.

Schilde, die 1mal gespalten und 2mal geteilt, oder 2mal gespalten und 1mal geteilt sind, also 6 rechteckige Plätze ergeben, werden von Fischnaler zum Teil richtig in Band IV, zum Teil auch in Band VII unter „Schach“ angeführt.

Farbenangaben (Tinkturen), Zeichenerklärung

Jedem heraldisch Geübten bereitet das Verständnis der Farbenangaben durch die seit dem 17. Jahrhundert eingeführte Schraffierung und Punktierung keine Schwierigkeit.

Es bedeuten:

 

Senkrechte Schraffierung: rot||

Waagrechte Schraffierung: blau=

Senkrechte und waagrechte Schraffierung: schwarz  „#

Schrägrechte Schraffierung: grün\\

Schräglinke Schraffierung: purpur//

Punktierung: gold (gelb) „.:.

 

Diesen bekannten Zeichen hat Fischnaler nur zwei willkürlich gewählte hinzugefügt und zwar:

 

„V“ für Silber (weiß) und

„><“ für naturfarben.

 

Hiezu kommen noch die Zeichen „<“ und „>“, welche in der Art einer Pfeilspitze die Blickrichtung einer gemeinen Figur angeben. „>< Lerche > auf \\ Dreiberg in ||“ ist also zu lesen: naturfarbene Lerche auf grünem Dreiberg in Rot nach (heraldisch) links gewendet.

Farbenangaben nach mittelalterlichen Wappen-Büchern sind mit Vorsicht zu werten, da gewisse Farben sich im Lauf der Jahrhunderte verändert haben; so erscheint ein altes Blau heute oft als grün (vgl. Sternenfels, Bd. IV, S. 380).

Häufig erscheinen im Wappenschlüssel Wappen, deren Farben nur zum Teil angeführt sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Fischnaler bei Wappen, die ohne jede Farbenangabe überliefert sind (z. B. nur in Steinplastik oder auf Siegeln), die ihm selbstverständlich scheinenden Farben (\\ Boden, .:. Ring) einsetzt. Hingegen fehlen bei Fischnaler meist die Farbenangaben für Burgen, Türme, Mauern und dergleichen; man geht wohl meistens nicht fehl, wenn man in solchen Fällen weiß oder naturfarben annimmt.

Der von Fischnaler bei Aufzählung zahlreicher Wappen derselben Gruppe gern verwendete Ausdruck „detto“ gibt manchmal zu Unklarheiten Anlass. Im allgemeinen wird hiedurch nur die Wiederholung der Grundangaben des erstbeschriebnen Wappens der Gruppe hinsichtlich Schildteilung, Farbe und Figuren, nicht aber allfälliger Beigaben bezeichnet. Wo Klarheit nicht zu erzielen ist, empfiehlt es sich, die Wappen-Kartei des Museums Ferdinandeum, auf welcher der Wappenschlüssel aufgebaut ist, zu Rate zu ziehen.

Mit dem Buchstaben „v“ Vide (siehe) verweist Fischnaler auf ein an anderer Stelle ausführlich beschriebenes Wappen, das – falls keine Band- und Seitenanzahl angegeben ist, - in den Registern der anderen Bände zu suchen ist. Man wolle sich dadurch nicht irre machen lassen, dass die Wappen-Beschreibung an der Verweisstelle meist unvollständig ist.

Heraldische Fachausdrücke


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